Die Gefahren der Sozialen Netzwerke
14.Mai 2008 at 11:51 | In Nicht kategorisiert | 1 CommentBei meinen Recherchen und bei der Beschäftigung mit dem Thema fiel mir schon von Anfang auf, dass in den Online-News und in den Blogs sehr viel Negatives über die sozialen Netzwerke berichtet wird. Zum Beispiel: „Web 2.0: Der Freitod der Privatsphäre” oder „Soziale Netzwerke: Schlaraffenland für Datendiebe”.
Weniger wird über die Nutzen gesprochen. Dann habe ich mich auch gefragt, ob diese Negativschlagzeilen überhaupt dazu führen, dass die Netzwerke an Nutzern verlieren oder helfen die Skandale eher der Bekanntheitssteigerung und dementsprechend der Steigerung der Nutzerzahlen oder überragen die Nutzen die Gefahren für die Nutzer so sehr, dass die Gefahren für sie zweitrangig werden?
Diese Grafik zeigt, dass sich die Besucherzahlen, ausser bei MySpace und Knuddels noch nicht zurückentwickelt haben. Es zeigt sich jedoch, dass die meisten hier genannten nicht mehr so rasch wachsen wie im Jahr davor.
Ich glaube schon, dass die Nutzer nicht einfach nur naiv sind. Schon die Änderung der allgemeinen Geschäftsbedingungen oder die Skandale bei studiVZ haben zu Protesten bei den Usern geführt, zu Änderungen der Namen oder zu Austritten aus Studivz.
Die Nutzer sind sicher durch die Negativschlagzeilen sensibilisiert worden, vorsichtiger mit ihren Daten umzugehen, zum Beispiel nicht einfach ihre Natelnummer oder ihre Adresse auf ihren Profilen anzugeben.
Eine gute und kurze Übersicht über die Gefahren bietet dieser Spiegel-Artikel, wer es umfassender möchte, der kann auf das 36-seitige Positionspapier der European Network and Information Security Agency Enisa zurückgreifen.
Ich stelle hier die wichtigsten Punkte der Gefahren zusammen:
Karrierekiller soziales Netzwerk
Ein grosses Problem ist, dass die Daten der User nicht geschützt sind. Zum Beispiel ist es sehr einfach auf diese Daten von aussen zuzugreifen. Die meisten sozialen Netzwerke sind zwar passwortgeschützt, aber jeder kann selbst ein Profil erstellen, auch wenn er nicht zu der Zielgruppe gehört, und dementsprechend auf die Profile anderer zugreifen. Zum Beispiel könnten Personalchefs gezielt nach den Personen suchen, die sich für die Stelle beworben haben und so brisante Details über die Bewerber herausfinden, die dazu führen, dass die Personen nicht angestellt werden. Dies wird hier auf diesem Blog thematisiert. Durch die Personen-Metasuchmaschinen wie Spock, Wink, 123people, Yasni und Pipl wird diese Arbeit noch erleichtert.
Sicherheitslücken
Wie einfach es ist, gezielt die Sicherheitslücken der sozialen Netzwerke auszunutzen und Profildaten zu sammeln, wurde schon zweimal bewiesen: Erstens gelang es Studenten des MIT-College mit Hilfe eines Skriptes 70′000 Facebook-Profile herunterzuladen. Im zweiten Fall, Ende 2006, schaffte es jemand sogar 1′074′574 StudiVZ Profile zu crawlen und zu analysieren. Die Ergebnisse kann man hier sehen.
Dies beweist wieder einmal, wie wertvoll und sensibel die Daten sind, die man von sich in den sozialen Netzwerken preisgibt, auch wenn man sie nur zur Pflege der sozialen Kontakte nutzt.
Dank StudiVZ ins Gefängnis?
In einem Interview mit Spiegel Online gab der Geschäftsführer von StudiVZ zu, dass sie es sich vorbehalten, die Nutzerdaten zu speichern und bei Ermittlungsersuchen der Polizei herauszugeben. Wenn es um schwere Gewaltverbrechen geht, kann ich das ja noch verstehen, aber wenn es um kleinere Delikte wie Drogenkonsum geht, ist dann StudiVZ einfach dazu berechtigt, sich über den Datenschutz ihrer Nutzer hinwegzusetzen und Namen, vielleicht auch die Daten der persönlichen Kommunikation einfach so weiterzugeben? Es stellt sich mir die Frage, ob die Daten den Usern oder den sozialen Netzwerke gehören.
Ich denke, dass hier noch dringend Datenschutzrichtlinien ausgearbeitet werden müssen, damit die Betreiber nicht einfach selbst über die Daten entscheiden können.
Datenmissbrauch
Der freigiebige Umgang mit den eigenen Daten im Internet führt dazu, dass sich Verbrecher „Leistungen auf fremdem Namen erschleichen oder weitere, nicht-öffentliche Daten über diese Personen herausfinden können.” Es wird in sozialen Netzwerken oft das Geburtsdatum und manchmal auch die Adresse angegeben, dank diesen Daten können Dritte leicht Auskünfte bei Behörden erfragen oder Waren und Dienstleistungen bestellen, wie hier zu lesen ist. Diese Daten sollten also nur den wirklichen Freunden verraten werden und die Behörden müssen unbedingt auch auf diese Art des Betruges aufmerksam gemacht werden.
Schutz der Kinder und Jugendlichen?
Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet, wenn sie sich in den sozialen Netzwerken aufhalten, da sie laut Verena Weigand (Leiterin der Kommission für Jugendmedienschutz) besonders empfänglich seien für Medieninhalte und sich von diesen noch nicht so gut distanzieren könnten. Ausserdem seien soziale Netzwerke wie der Rest des Internets sehr unübersichtlich und deshalb schwer zu kontrollieren. Bei Facebook und MySpace wurden schon viele Sexualstraftäter und Pädophile ertappt und bei schülerVZ, für Schüler ab zwölf, machte man Sexbildchen, Anleitungen für den Drogenkonsum und Gruppen mit rechtem Gedankengut ausfindig. Das Problem ist, dass sich die Betreiber noch etwas vor der Verantwortung drücken, da sie wahrscheinlich auch nicht die Ressourcen haben, um alles zu kontrollieren und die Sicherheitsmassnahmen zu verschärfen.
Ich finde, dass die Eltern oder Erziehungsverantwortlichen, das Verhalten ihrer Sprösslinge in den sozialen Netzwerken beaufsichtigen oder sie zumindest darauf sensibilisieren müssten, welche Gefahren dort lauern. Die Betreiber dieser Plattformen könnten dadurch zur Verantwortung gezogen werden, dass sie die Altersbeschränkungen rigoroser kontrollieren müssten.
1 Kommentar »
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Wow, da hast du ja einen Riesenblog geschaffen!
Ich finde du hast sehr schön und vor allem auch viele Aspekte belechtet um die Gefahren der Sozialen Netzwerke zu beschreiben.
Bei Studi VZ war ja noch ein besonders heikler Punkt, dass die “Verwendung persönlicher Daten” zimlich versteckt zu finden (oder nicht!) sind. Ich wurde darauf auch erst nach einem Post in meinem Gästebuch aufmerksam gemacht.
Ich habe übrigens hier: http://www.computerwoche.de/knowledge_center/web/1862835/?NLC noch einen interessanten Beitrag gefunden über eine neue Art von Sozialem Netzwerk. Micro Blogging heisst das Ganze. Eventuell findest du noch ein paar Anregungen für deine letzten Blogs, wir haben schliesslich morgen Abgabetermin!
Kommentar von thoeni — 17.Mai 2008 #